< zurück Welches Motoroel beim Lloyd 600 verwenden ?  

Alten Oelen nachempfundene Produkte, sogut dies auch gemeint ist, halten unter Umständen den "Dreck" nicht in der Schwebe, sondern dieser setzt sich im Motor zwangsläufig, wie früher, überall ab. Somit wäre das Oel dann wieder etwas sauberer, was mit diesen Oldtimeroelen wohl beabsichtigt ist. Greifen Sie, eben aus diesem Grund, bei der Suche nach dem geeigneten Oel in der "Oelentwicklungsgeschichte" nicht so weit, bis auf solche mild- oder unlegierte Oele, zurück, denn :

Beim Lloyd 600 könnten sich Kurbelwellenschäden und folglich Gehäusebrüche einstellen. Der Grund hierfür ist die Schmieroelzufuhr zu den kurbelwellenseitigen Pleuellagern über sogenannte Oelfangbleche. Aufgabe dieser Bleche ist es, das ablaufende Oel von den Rillen- und Wälzlagern der Kurbelwelle wenigstens teilweise wieder einzusammeln und den unteren Pleuellagern zuzuführen.

Oele, die zum Absetzen von Verunreinigungen neigen, füllen die Oelfangbleche aufgrund deren Schleuderwirkung mit "Dreck" auf. Man zerlege einmal einen alten Motor und schaue sich das an, siehe Bild oben. Das Zeug hängt dort wie Zement in der umlaufenden Rille bis zum Rand. Die Folge ist dann, daß kaum noch Oel für die unteren Pleuellager eingesammelt werden kann und diese nicht mehr ausreichend geschmiert werden.

Erschwerend kommt hinzu, daß die Oelfangbleche welche an den Kurbelwellenwangen mit nur drei Senkkerbnägeln befestigt sind, aufgrund des höheren Gewichtes (durch "Dreck") zu unwuchtig werden, noch leichter ausreißen und dann unkontrolliert von der Kurbelwelle herumgeschleudert werden. Eine Oelzufuhr für die unteren Pleuellager ist dann mit Sicherheit nicht mehr vorhanden.

Daß sich "verunreinigende Bestandteile in den Oelfangblechen absetzen" war bereits den Technikern, die ehemals im Werkstatthandbuch auf Seite M 13-2 unter Kurbelwelle aus- und einbauen hierzu schrieben, bekannt. Man machte damals aus der Not eine Tugend und behauptete, daß die Oelfangbleche auch noch die Aufgabe der Schmieroelreinigung durch ausschleudern hätten und deswegen auch die Taschen der Bleche entsprechend groß gehalten seien. So ein Unsinn, soviel Dreck hat da garnicht Platz wie er im Laufe eines Motorlebens anfällt.

Mit der Einführung von HD Oelen ging man auch beim Lloyd eiligst und aus guten Gründen auf diese über. Mit Kundendienstschreiben Nr 230 wurden diese Oele dann auch ab sofort und grundsätzlich für die Lloyd 600 Motore vorgeschrieben. Dem Rundschreiben ist auch zu entnehmen, daß nach ca. 300 km, bei Motoren mit längerer Laufzeit, ein zweiter Oelwechsel und die Reinigung des Oelsiebes vorzunehmen ist. Aus dem einfachen Grund heraus, weil das neue HD Oel wegen seiner Reinigungswirkung und Schwebehaltung die bisherigen Rückstände im Motor teilweise wieder aufnahm und dadurch sehr rasch verschmutzte. Wobei die Frage erlaubt ist, ob mit einem einzigen Kurzintervall von 300 km sich solche Mengen an Verunreinigungen, wie sie bisher angefallen sind (siehe Bild ganz oben), überhaupt entfernen lassen.

Laut Werkstatthandbuch auf Seite S 4-1 ist unter Motorenoel auch noch folgendes nachzulesen : HD Oele enthalten Wirkstoffe zur Vermeidung von Säurebildung, Schlamm, Korrosion usw. Außerdem sind diesen Oelen Zusätze beigegeben, die eine starke Lösekraft und ein großes Schlammtragevermögen besitzen. Hierdurch werden Ablagerungen im Motor (Oelharze, Oelkohle usw.) aufgelöst und freischwebend im Oel gehalten, so daß alle Verunreinigungen beim Oelwechsel zusammen mit dem ablaufenden Oel aus dem Motor ausgeschieden werden. Daher kommt es, daß sich ein HD Oel im Betrieb relativ schnell dunkel verfärbt, ohne daß es deswegen als "verbraucht" angesehen werden darf.

Nach den Schmierplänen sind entsprechend den Außentemperaturen, HD Oele von SAE 10W, SAE 20W-20 bis SAE 40 vorgeschrieben. Wahlweise ein Mehrbereichsoel in HD Qualität mit SAE 10W-30 :

Im Internet fand ich dieses Oel, welches nach meiner Meinung für den Lloyd bei Außentemperaturen über 0° C geeignet wäre :

CASTROL CLASSIC OIL XL SAE 20W-50

Mineralölbasisches Mehrbereichs-Motorenöl
für Motoren ab 1960 , mit Ölfilter,
ganzjährig einsetzbar.

Es stellt das Bindeglied zwischen
mildlegierten Einbereichs-Motorenölen und
hochadditivierten, modernen Schmierstoffen dar.

Verschleissschutz bei hervorragendem Öldruckverhalten.

Bitte stören Sie sich nicht an dem Hinweis "für Motoren ab 1960 mit Oelfilter". Gerade dies weist darauf hin, daß Schwebstoffe mitgeführt und folglich im Oelfilter zurückgelassen werden. Auf das "in Schwebe halten" kommt es hier an. Mangels Filter müssen wir halt wie früher schon nach 3.000 km oder weniger wechseln und nicht erst nach ca 15.000 km wie es bei heutigen Motoren mit Filter möglich ist.

Bitte beachten Sie, daß bei sehr stark verschmutzen Motoren durch den Einsatz von allen Oelen mit Reinigungswirkung und Schwebehaltung, somit auch bei diesem Castrol Classic Oil XL SAE 20W-50, die Oelkanäle zwischen Oelpumpe und Kurbelwellenlagern verstopfen könnten.

Man verschaffe sich daher den nötigen Einblick durch Ausbau des Oelsiebes um so herauszufinden wieviel Oelschlamm bereits im Kurbelgehäuse vorhanden ist. Geringe Verschmutzungen sind durch Spülgänge mit dem neuen Oel entfernbar. Bitte kein spezielles Spüloel verwenden, siehe Schmierpläne. Bei sehr starker Oelschlammbildung hilft vorsichtshalber nur noch eine Demontage und Reinigung des Motors.

Wenn Sie den Motor schon länger in Betrieb haben und seither mehrfach "ein heute gängiges Oel" verwendet haben, dann dürfte der alte Oelschlamm weitgehendst abgebaut sein und eine Verlegung der Oelkanäle wäre dann nicht mehr zu erwarten.



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